Wärmepumpe im Bestandsgebäude

Wann der Einsatz sinnvoll ist und welche technischen Voraussetzungen entscheidend sind.

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Einsatz von Wärmepumpen im Bestand

Der Einsatz einer Wärmepumpe in bestehenden Wohngebäuden ist grundsätzlich möglich, hängt jedoch maßgeblich von den technischen Rahmenbedingungen des Gebäudes ab. Eine Fußbodenheizung ist dabei keine zwingende Voraussetzung. Auch bei ausschließlichem Einsatz von Heizkörpern kann eine Wärmepumpe effizient betrieben werden.

Entscheidend sind insbesondere die Heizlast des Gebäudes und die grundlegende Systemauslegung.

Eine fundierte Bewertung sollte daher immer auf technischen Daten basieren und nicht auf pauschalen Annahmen.


Technische Grundlagen für den Betrieb einer Wärmepumpe

Heizlast

Die Heizlast beschreibt die maximale benötigte Heizleistung eines Gebäudes unter Normbedingungen. Sie wird im Rahmen einer raumweisen Heizlastberechnung ermittelt und bildet die Grundlage für die Auslegung der Wärmepumpe.

Abschätzungen auf Basis des Jahresenergieverbrauchs oder von Baualtersklassen können zur ersten Orientierung dienen, ersetzen jedoch keine fundierte Berechnung.

Vorlauftemperatur im Heizsystem einer Wärmepumpe

Vorlauftemperatur

Die Effizienz einer Wärmepumpe nimmt mit steigender Vorlauftemperatur ab. Besonders wirtschaftlich arbeitet das System bei niedrigen Temperaturen, typischerweise unter etwa 50–55 °C bei Heizkörpern.

Bei Flächenheizungen, insbesondere Fußbodenheizungen, sind in der Regel deutlich niedrigere Vorlauftemperaturen von unter 35 °C ausreichend.

In Systemen mit gemischten Heizflächen bestimmt die höchste erforderliche Vorlauftemperatur die Auslegung und den Betrieb der Wärmepumpe.

Zusammenhang zwischen Heizkörpergröße und Vorlauftemperatur

Heizflächen

Groß dimensionierte Heizflächen ermöglichen niedrigere Systemtemperaturen und verbessern damit die Effizienz. Neben Flächenheizungen können auch bestehende Heizkörper geeignet sein, sofern sie die erforderliche Wärmeleistung bei reduzierten Temperaturen abgeben können.

Gegebenenfalls können vorhandene Heizkörper durch größere Modelle oder spezielle Niedertemperatur-Heizkörper ersetzt werden. Alternativ können Heizkörperventilatoren eingesetzt werden, um die Wärmeabgabe zu erhöhen und damit die erforderliche Vorlauftemperatur zu senken.

Heizkurve Wärmepumpe – Zusammenhang Vorlauftemperatur und Außentemperatur

Heizkurve

Die Heizkurve beschreibt den Zusammenhang zwischen Außentemperatur und erforderlicher Vorlauftemperatur und ist ein wesentlicher Parameter für den effizienten Betrieb einer Wärmepumpe.

Eine optimale Einstellung erfolgt in der Praxis schrittweise im laufenden Betrieb. Werkseitige Voreinstellungen stellen lediglich einen Ausgangspunkt dar und sollten an das jeweilige Gebäude und Nutzungsverhalten angepasst werden.

Hydraulischer Abgleich

Der hydraulische Abgleich stellt sicher, dass alle Heizflächen im Gebäude entsprechend ihrem Bedarf mit Wärme versorgt werden. Hierzu werden die Volumenströme im Heizsystem so eingestellt, dass jeder Raum die erforderliche Heizleistung erhält.

Ein korrekt durchgeführter hydraulischer Abgleich ist Voraussetzung für niedrige Systemtemperaturen und damit für einen effizienten Betrieb der Wärmepumpe.

Ohne hydraulischen Abgleich kann es zu einer ungleichmäßigen Wärmeverteilung kommen, wodurch einzelne Heizflächen höhere Vorlauftemperaturen erfordern und die Effizienz des Gesamtsystems sinkt.

Die Durchführung erfolgt auf Basis der Heizlastberechnung und ist üblicherweise Voraussetzung für die Inanspruchnahme von Fördermitteln.


Einordnung typischer Gebäudesituationen

Günstige Voraussetzungen

  • Teilweise modernisierte Gebäudehülle
  • Niedrige bis mittlere Vorlauftemperaturen
  • Ausreichend dimensionierte Heizflächen
  • Vorhandene oder geplante Photovoltaikanlage zur teilweisen Deckung des Strombedarfs

Erhöhter Prüfbedarf

  • Hohe Heizlast bei ungedämmten Gebäuden
  • Erforderliche Vorlauftemperaturen über etwa 55–60 °C
  • Begrenzte Heizflächen

In vielen Fällen lassen sich die Voraussetzungen durch gezielte Anpassungen am Heizsystem oder an einzelnen Bauteilen verbessern.

Schrittweise Umstellung im Bestand (bivalenter Betrieb)

Aus technischer Sicht ist es grundsätzlich sinnvoll, zunächst die Gebäudehülle energetisch zu verbessern und anschließend die Heiztechnik anzupassen. In der Praxis kann es jedoch auch zielführend sein, die Wärmepumpe bereits in einem frühen Sanierungsstadium zu integrieren.

In diesem Fall erfolgt der Betrieb häufig bivalent. Die Wärmepumpe übernimmt einen Großteil der Wärmeversorgung, insbesondere in der Übergangszeit sowie bei der Warmwasserbereitung. Bei niedrigen Außentemperaturen wird sie durch die bestehende Öl- oder Gasheizung unterstützt.

Die Auslegung der Wärmepumpe erfolgt dabei bereits mit Blick auf den geplanten Endzustand des Gebäudes. Auf diese Weise kann der Anteil erneuerbarer Energie frühzeitig erhöht und der Einsatz fossiler Energieträger schrittweise reduziert werden.


Praxisbeispiel: Wärmepumpe im Bestandsgebäude mit Heizkörpern

Die zuvor beschriebenen Zusammenhänge lassen sich auch anhand realer Betriebsdaten nachvollziehen.

Die folgende Auswertung basiert auf realen Betriebsdaten eines Bestandsgebäudes und einer fundierten fachlichen Auseinandersetzung mit der Planung und Auslegung von Wärmepumpensystemen. Sie zeigt den Zusammenhang zwischen Außentemperatur und Stromverbrauch im Heizbetrieb im Januar 2026, einem vergleichsweise kalten Wintermonat.

Stromverbrauch einer Wärmepumpe in Abhängigkeit von der Außentemperatur im Januar 2026
Stromverbrauch in Abhängigkeit von der Außentemperatur (Bestandsgebäude, Januar 2026)

Einordnung der Betriebsdaten

Die Auswertung zeigt den Zusammenhang zwischen Außentemperatur und täglichem Stromverbrauch im Heizbetrieb. Mit sinkenden Außentemperaturen steigt der Energiebedarf, was dem erwarteten Verhalten eines Wärmepumpensystems entspricht.

Im Diagramm ist neben dem gesamten Stromverbrauch auch der Anteil des direkt genutzten Photovoltaikstroms dargestellt. Dieser fällt im betrachteten Zeitraum vergleichsweise gering aus, da die solare Stromerzeugung in den Wintermonaten naturgemäß eingeschränkt ist. Der Betrieb der Wärmepumpe erfolgt daher überwiegend mit Netzstrom.

Die Temperaturkurve ist als Tagesminimum dargestellt und zur besseren Visualisierung invertiert aufgetragen. Dadurch wird der Zusammenhang zwischen sinkender Außentemperatur und steigendem Energiebedarf deutlicher erkennbar.

Die dargestellten Betriebsdaten beziehen sich auf ein Bestandsgebäude (Baujahr 1999) mit Heizkörpern. Am kältesten Tag des Betrachtungszeitraums (-12,4 °C) lag die erforderliche Vorlauftemperatur bei etwa 48 °C. Durch unterstützende Maßnahmen, wie den Einsatz von Heizkörperventilatoren, konnte die notwendige Systemtemperatur reduziert werden. Ohne diese Maßnahmen wäre eine Vorlauftemperatur von etwa 54 °C erforderlich gewesen.

Die nach der Methodik der Jahresarbeitszahl ermittelte Kennzahl beträgt für den Monat Januar 3,16 und liegt damit im erwartbaren Bereich für ein Bestandsgebäude mit mittleren Systemtemperaturen.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass ein stabiler und effizienter Betrieb auch unter winterlichen Bedingungen möglich ist, sofern die Systemauslegung entsprechend erfolgt.

Heizkurve und Vorlauftemperatur im Bestand

Die dargestellten Heizkurven zeigen den Einfluss der Wärmeabgabe auf die erforderliche Vorlauftemperatur eines Heizsystems. Durch unterstützende Maßnahmen, wie den Einsatz von Heizkörperventilatoren, kann die notwendige Systemtemperatur weiter reduziert werden.

Heizkurve Wärmepumpe – Vorlauftemperatur vs. Außentemperatur
Heizkurve ohne zusätzliche Ventilatoren vs. Heizkurve mit unterstützenden Heizkörperventilatoren

Die Einstellung der Heizkurve erfolgt im realen Betrieb nicht einmalig, sondern wird über einen längeren Zeitraum an das individuelle Nutzerverhalten und die thermischen Eigenschaften des Gebäudes angepasst. Ziel ist es, die Vorlauftemperatur so niedrig wie möglich und gleichzeitig so hoch wie notwendig einzustellen.

Bereits geringe Absenkungen der Vorlauftemperatur wirken sich messbar auf die Effizienz der Anlage aus. Je nach System und Betriebsbedingungen kann eine Reduktion um ein Kelvin typischerweise zu einer Effizienzsteigerung von etwa 2–3 % führen.

In der Praxis sind auch im Bestandsgebäude häufig Vorlauftemperaturen unterhalb von 55 °C ausreichend. Der genannte Wert ist daher kein fester Grenzwert. Da in einem Großteil der Heizperiode die Außentemperaturen nur zwischen etwa 0 °C und −10 °C liegen, werden in diesem Bereich deutlich niedrigere Systemtemperaturen benötigt.

Die Auslegung erfolgt dennoch auf Basis der Norm-Außentemperatur (abhängig von der Postleitzahl). Für diese selten auftretenden Lastfälle wird die erforderliche Spitzenlast üblicherweise durch eine elektrische Zusatzheizung abgedeckt, um eine Überdimensionierung der Anlage zu vermeiden.


Fazit

Der Einsatz einer Wärmepumpe im Bestandsgebäude ist unter geeigneten technischen Rahmenbedingungen möglich und kann auch bei reinen Heizkörpersystemen effizient erfolgen.

Entscheidend sind insbesondere die Heizlast, die erforderlichen Vorlauftemperaturen sowie die Auslegung des Gesamtsystems.

Eine fundierte Bewertung sollte daher stets auf einer technischen Analyse des konkreten Gebäudes basieren.


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Gerne unterstütze ich Sie bei der technischen Bewertung Ihres Gebäudes und der Einschätzung, ob und unter welchen Voraussetzungen der Einsatz einer Wärmepumpe sinnvoll ist.

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